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cmo
06-18-2010, 01:48 AM
Einen dummen, wichtigtuerischen, schönfärberischen oder verlogenen Umgang mit Sprache gibt's auch auf deutsch. Bei Mode-Anglizismen fällt es nur leichter auf.

Die Sprache ist in jedem Fall immer voller Tücken:

1. Ist es auch dann eine Sitzung, wenn das 'Mannequin' steht, liegt oder in die Luft hüpft?

2. Wird in einem Workshop wirklich gearbeitet oder nur gelernt?

kossi008
06-18-2010, 02:14 AM
Einen dummen, wichtigtuerischen, schönfärberischen oder verlogenen Umgang mit Sprache gibt's auch auf deutsch. Bei Mode-Anglizismen fällt es nur leichter auf.

Absolut richtig. Und Latein war auch lange sehr beliebt hierfür...

Jedenfalls darf man nichts allzu verkrampft sehen, Sprache ist eben gerade dadurch lebendig, dass sie sich verändert. Und der größte kulturelle Einfluss kommt momentan in vielen Bereichen aus dem englischen Sprachraum.

Andersrum sehen die Amerikaner das offenbar etwas lockerer und integrieren lässig deutsche Worte wie Kindergarten, Gesundheit, Angst, Ersatz oder Weltanschauung in ihren Sprachschatz...

Namir
06-18-2010, 03:54 AM
Es sind aber alle drei nicht nur Übersetzungen, sondern die Begriffe die man immer noch, oder einst mal, benutzt (hat).
Zustimmung.



Was fehlt ist aber nicht etwas "spezielles", ausser die Wichtigtuerei, die ja Grund dafür ist dass es Denglish überhaupt gibt.

da wollte ich eigentlich drauf raus...

Das spezielle ergibt sich nicht (unbedingt) aus einer speziellen Bedeutung des englischen Begriffs im Englischen. Auch wenn "model" im Englischen im Prinzip das gleiche bedeuten mag wie "Modell" im Deutschen... ist ein "Model" im Deutschen doch eine ganz andere Sache. Wenn ich sage: "Meine Freundin ist ein Model", dann ist jedem klar, dass ich sagen will, dass sie so schön/interessant ist, dass ihr Leute Geld dafür geben, damit sie sie photographieren dürfen (und ich dann also ein ziemlich toller Hecht sein muss, weil sie ja meine Freundin ist) . Würde ich sagen: "Meine Freundin ist ein Modell", dann würden man eher denken: "Meint er "Model"?" ("Model" steht übrigens im Duden)
Also: Man will dem ganzen einen besonderen Anstrich geben, je weniger wirklich besonderes/spezielles hinter diesem sprachlichen Anstrich steckt, um so mehr Wichtigtuerei ist das.

Sonst hat das der Clemens ja schön auf einen Nenner gebracht.

Gruß
Bernhard

Thomas.Goehler
06-18-2010, 12:13 PM
Was hier geschieht, sind Sprachentwicklungen, wie es sie schon immer gegeben hat. Mal kamen die Einflüsse aus dem Französischen, dann wieder aus dem Lateinischen. Durch die Beschleunigung der neuen Medien geschehen diese Entwicklungen nur immer schneller. Vieles von dem, was wir heute als ur-deutsch vermuten, ist auch nur ein eingedeutschtes Fremdwort, ich wäre da also mal gelassen.
Schlimm wird's nur, wenn es nur scheinbar englische Wörter sind, die anstelle von völlig normalen, medial unbeleckten Wörtern benutzt werden, wie z. B. "Backshop" für Bäckerei, "Servicepoint" für Informations-Schalter oder auch "Handy" für Mobiltelefon. Das Wort "handy" existiert im Englischen nämlich nur als Adjektiv und heißt soviel wie "praktisch".
Völliger Blödsinn ist es auch den englischen Genitiv-Apostroph im Deutschen einzuführen ("Helmut's Bar") oder ihn gar bei der Pluralbildung heranzuziehen ("Ich habe 50 CD's"). Dann wird er wirklich zum Deppen-Apostroph.

RalphLambrecht
06-18-2010, 01:21 PM
... oder ihn gar bei der Pluralbildung heranzuziehen ("Ich habe 50 CD's")...

Das ist auch in englischen falsch. Richtiger Plural wäre "I own 50 CDs". Kein Apostroph bei der Pluralbildung in der englischen Sprache, obwohl das viele englischen Muttersprachler so machen.

cmo
06-18-2010, 01:26 PM
Die Sache mit der Abschottung einer Sprache, wie sie in Frankreich gehandhabt wird, ist so eine Sache.

Dort hat jeder ausländische Anbieter von Produkten ein ernsthaftes Problem, wenn er zum Beispiel auf die Packung eines Computers nicht das Wort "Ordinateur" schreibt, denn in Frankreich wird ordiniert und nicht computert, der Anteil der französischsprachigen Lieder aller Radiosendungen ist auf mindestens 40 % festgelegt. Es drohen empfindliche Geldstrafen.

Eine Sprache abzuschotten ist keine gute Idee.

Der nachfolgende Vergleich mag manchem weit hergeholt erscheinen, ist er aber nur auf den ersten Blick: von der "Rassenlehre", die ihre Ursprünge in früheren Jahrhunderten in Spanien und Frankreich hatte, hat sich die Wissenschaft erst ca. 1970 endgültig verabschiedet. Inzwischen fand man nämlich heraus, daß es innerhalb einer Population mehr Unterschiede zwischen den Menschen gibt als zwischen den Angehörigen verschiedener Hautfarben und äußerst unterschiedlicher Herkunft.

Die wesentliche Aussage der alten Lehre war: da gibt es große Unterschiede zwischen den Menschen und ihren Kulturen, manche sind besser, und es ist wichtig, das "Reine" des Guten herauszuschälen und sich gegen fremde Einflüsse abzuschotten.

Mittlerweile weiß man, daß genau das falsch ist. Bei jeder Lebensform hat eine Population mit großen Unterschieden, also einem großen "Genpool", sehr viel bessere Chancen zu überleben und sich anzupassen als kleine, abgeschottete Gruppen: Vielfalt führt zur Weiterentwicklung, Vereinheitlichung bremst sie. Es ist schon verrückt, daß alte Ideologien, die die "Reinhaltung" von Rasse, Sprache etc. predigten, offenbar auf einer falschen wissenschaftlichen Lehre basierten.

So gesehen kann man die überholten alten Lehren lächelnd in die Tonne treten. Der alte Gedankenmüll hat schon viel zu viel Unglück über die Menschheit gebracht und die Entwicklung unserer Zivilisation behindert.

LarsHennings
06-18-2010, 01:41 PM
Hi, aber auch diese "Genvielfalt" läßt sich schwerlich auf Soziales übertragen. In der Biologie ist das anders. Nun endlich wissen wir ja, die einzigen "reinrassigen" Homo sapiens sapiens sind die Afrikaner südlich der Sahara - alle anderen haben bei der "Durchreise" von Afrika sich im Nahen Osten "vermischt" und Neandertaler "im Blut". Das könnte nun mit dem Argument "Genpool" schon wieder gegen diese Leute in Feld geführt werden. War nicht Dein Anliegen, ist mir klar. Zeigt aber die Problematik falscher Übertragung vom Biologischen ins Soziale, wie schon bei dieser leidigen "Kampf ums Dasein"-Parole.

Etwas anderes: ist denn John´s drugstore richtig?

Gruß
lars

Q.G.
06-18-2010, 01:51 PM
Es geht aber sehr weit - zu weit - wenn man wie hier in den Niederlanden der Verkehrsdienst offiziell "Traffic Information Centre" nennt. Oder wenn an eine Niederländische Universität (die von Maastricht) nur noch English gesprochen wird - auch wenn es nur Niederländer sind die an ein 'meeting' teilnehmen. Buchladen nennen sich "Read shops", usw. Und Wörter die es nicht sind werden als wären sie Englisch gesprochen.

So abwegig, oder gar falsch, ist es gar nicht eine Sprache gegen Verfall schützen zu wollen.


Apropos Apostroph: hier wird es korrekt bei Pluralbildung benutzt wenn sich sonnst eine Lautverschiebung ergäbe: foto's, statt fotos.

RalphLambrecht
06-18-2010, 04:58 PM
...
Etwas anderes: ist denn John´s drugstore richtig?

Gruß
lars

In der englischen Sprache ist das korrekt wie auch Jones's drugstore, aber es gibt Ausnahmen wie in Jesus' name.

Q.G.
06-18-2010, 05:15 PM
In der englischen Sprache ist das korrekt wie auch Jones's drugstore, aber es gibt Ausnahmen wie in Jesus' name.

Keine Ausnahme, sondern eine bevorzugte Alternative wenn es sich um Personsnamen handelt.
Jones' drugstore is also korrekt, Jones's drugstore zwar auch, aber doch eher nicht.

Thomas.Goehler
06-19-2010, 02:42 AM
Das ist auch in englischen falsch. Richtiger Plural wäre "I own 50 CDs". Kein Apostroph bei der Pluralbildung in der englischen Sprache, obwohl das viele englischen Muttersprachler so machen.

Das weiß ich.

Thomas.Goehler
06-19-2010, 02:43 AM
Apropos Apostroph: hier wird es korrekt bei Pluralbildung benutzt wenn sich sonnst eine Lautverschiebung ergäbe: foto's, statt fotos.

Auf welche Sprache beziehst du dich bei dem Beispiel? Sowohl im Englischen wie im Deutschen wäre das falsch.

Thomas.Goehler
06-19-2010, 02:51 AM
Keine Ausnahme, sondern eine bevorzugte Alternative wenn es sich um Personsnamen handelt.
Jones' drugstore is also korrekt, Jones's drugstore zwar auch, aber doch eher nicht.

Also, entweder ist etwas korrekt oder nicht. Ein "doch eher nicht" gibt es nicht. Man bevorzugt nur die Schreibweise "Jones' drugstore" um das unschön wirkende "s's" zu umgehen, sprechen müsste man es aber.

Q.G.
06-19-2010, 03:42 AM
Auf welche Sprache beziehst du dich bei dem Beispiel? Sowohl im Englischen wie im Deutschen wäre das falsch.

Bitte um Entschuldigung. Mein "hier" sollte die Niederlanden und das Niederländisch andeuten. Hier ;) ist es korrekt.

Q.G.
06-19-2010, 03:51 AM
Also, entweder ist etwas korrekt oder nicht. Ein "doch eher nicht" gibt es nicht. Man bevorzugt nur die Schreibweise "Jones' drugstore" um das unschön wirkende "s's" zu umgehen, sprechen müsste man es aber.

Eher das Gegenteil. Ein so klares entweder-oder gibt es kaum.
Wenn es um englisch geht sogar noch weniger, denn welches englisch ist gemeint? Und sogar 'innerhalb' einer Variante bleibt es oft (so wie beim possesive 's) unklar.
Es gibt Regeln, aber was die wert sind stellt sich erst in der Praxis heraus. Und da, in dieser Praxis, passt ein "doch eher nicht" viel besser als ein "entweder-oder".

Thomas.Goehler
06-19-2010, 05:19 AM
Eher das Gegenteil. Ein so klares entweder-oder gibt es kaum.
Wenn es um englisch geht sogar noch weniger, denn welches englisch ist gemeint? Und sogar 'innerhalb' einer Variante bleibt es oft (so wie beim possesive 's) unklar.
Es gibt Regeln, aber was die wert sind stellt sich erst in der Praxis heraus. Und da, in dieser Praxis, passt ein "doch eher nicht" viel besser als ein "entweder-oder".

Es geht hier nicht um lokale Varianten oder Dialekte, sondern erst mal um grammatisch korrektes Englisch und da verhält es sich so, wie ich es beschrieb.
(Sorry, wenn ich da so insistiere, aber mit sowas verdiene ich meine Brötchen ;))

Q.G.
06-19-2010, 05:53 AM
Es geht hier nicht um lokale Varianten oder Dialekte, sondern erst mal um grammatisch korrektes Englisch und da verhält es sich so, wie ich es beschrieb.
(Sorry, wenn ich da so insistiere, aber mit sowas verdiene ich meine Brötchen ;))

Dieses ewige wie-die-Theorie-sagt-dass-es-sein-sollte, und wie-das-theoretisch-Umschriebene-trotzdem-sein-eigener-Weg-geht, nicht?
;)

Grammatik ist beschreibend, nicht vorschreibend.

mono
06-19-2010, 05:59 AM
Oh Mann,
schon wieder diese Schulmeisterei...
Geht raus zum Photographieren ;-)
(Ich habe bewußt die alte Schreibweise gewählt, weil ich die Schreibreform wie die Pest hasse!)

RalphLambrecht
06-19-2010, 06:01 AM
Keine Ausnahme, sondern eine bevorzugte Alternative wenn es sich um Personsnamen handelt.
Jones' drugstore is also korrekt, Jones's drugstore zwar auch, aber doch eher nicht.

Jones' drugstore und Jones's drugstore sind beide korrekt aber von unterschiedlicher Bedeutung.

Englischsprachige Publizisten haben sich auf die Regeln des 'Chicago Manual of Style' festgelegt. Dort ist die Verwendungen von 'Punctuation' mit 'Plurals' und 'Possessives' in den Paragraphen von 6.7 und von 6.19 festgelegt und in Beispielen gezeigt. Meine Beispiele waren von dort kopiert. Ich empfehle jedem der sich näher mit diesem Thema beschäftigen will sich dieses Buch zu beschaffen. Eine neue Auflage (16) ist in diesem Herbst zu erwarten.

Mit dem eigentlichen Thema hat das alles sowieso nichts mehr zu tun. Sollen wir einen neues Thema dafür aufmachen?

RalphLambrecht
06-19-2010, 06:06 AM
Eher das Gegenteil. Ein so klares entweder-oder gibt es kaum.
Wenn es um englisch geht sogar noch weniger, denn welches englisch ist gemeint? Und sogar 'innerhalb' einer Variante bleibt es oft (so wie beim possesive 's) unklar.
Es gibt Regeln, aber was die wert sind stellt sich erst in der Praxis heraus. Und da, in dieser Praxis, passt ein "doch eher nicht" viel besser als ein "entweder-oder".

papperlapapp

Na da ist doch mal ein schönen deutsches Wort!