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View Full Version : Steuerung Schwärzungskurve SW-Film



Sammelwahn
06-25-2010, 04:45 AM
Der Verlauf der Schwärzungskurve eines Films scheint im Wesentlichen von Entwickler, Entwicklungszeit, Bewegung und Temperatur abzuhängen. Gibt es allgemein gültige Regeln, nach denen eine gegebene Film-Entwickler-Kombination gezielt dahin gehend gesteuert werden kann, dass z.B. die Dichten in den Lichtern zurückgenommen werden, bei gleichzeitiger Stärkung der mittleren Zonen. Also ausgehend von einer durchhängenden Kurve, die der „Ideallinie“ angenähert werden soll, bzw. umgekehrt bei einer S-förmigen Kurve.

Ich vermute, dass dies in geringem Maße durch Änderung der Bewegung, oft oder selten kippen, eher sachte oder kräftige Bewegung und die Dauer des Stillstandes dazwischen beeinflusst werden kann. Aber in welcher Weise?

ath
06-25-2010, 05:36 AM
Hallo Sammelwahn,

ich würde als vermutlich wesentlichsten Einfluss auf die Dichtekurve noch den Fim selber anführen.
Konkret hab ich gerade den Fall, daß Rollei Retro 80S eine ausgeprägte S-Form hat, oder, um einen Begriff von W. Moersch zu verwenden, in den Lichtern "in die Horizontale geht".
Landläufig soll stärkere Agitation den Lichterkontrast erhöhen, entsprechend soll weniger Agitation ausgleichen (d.h. Lichterkontrast senken). Die Stärkung des Lichterkontrasts hat beim Retro 80S und XTOL schonmal nicht funktioniert.

Der ATP1.1 verhält sich ähnlich, aber noch extremer. Hier habe ich keinen Unterschied in der Form der Kurve gefunden für Standentwicklung vs. Rotation.

piu58
06-28-2010, 07:24 AM
Die Lichter können zumindest durch zwei Maßnahmen gezielt beeinflusst werden :
A) Entwicklerverarmung (konsequent in der Zweibadentwicklung)
B) Silberrücklösung

A) kann am einfachsten durch einen Entwickler ohne Regeneratorsystem (z.B. Rodinal oder Perceptol) und geringe Agitation erreicht werden. Es besteht dann immer die Gefahr, dass große Grauflächen inhomogen werden.
B) erreicht man in der Regel durch einen Sulfitgehalt vonn 100g/l oder darüber. Es ist also diesbezüglich falsch, einen Entwickler zu verdünnen. Normalerweise schafft das es das Regeneratorsystem dennoch, die Metol- oder Phenidon-Konzentration einigermaßn auf Level zu halten, so dass nicht einmal ein Verarmungseffekt einsetzt.

skahde
06-28-2010, 08:04 AM
Und schon wäre fast alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Was bleibt mir da noch? Färbende Entwickler (neudeutsch: staining) welche die Gradation für die höheren Dichten für Varionkontrastpapiere durch eine Farbmaskierung herabsetzen sind natürlich auch noch ein Thema in diesem Umfeld. Auch dadurch wird die Wiedergabe hochkontrastiger Motive vereinfacht, was mir schon sehr geholfen hat.

Viele Grüße

Stefan

Sammelwahn
06-30-2010, 02:40 AM
Erst einmal Danke an alle, die sich hier eingebracht haben!

Zum besseren Verständnis hätte ich vielleicht noch die Hintergründe meiner Frage beleuchten sollen. Im Moment brauche ich einen Filmbestand auf, zu dem ich unverhoffter Weise gekommen bin. Ich habe mir „die Mühe gemacht“, den Film auf einen vorhandenen Entwickler einzutesten. Dieser bringt mir unter „Standardbedingungen“ allerdings keinen gleichmäßigen Dichteanstieg, s.o.. Inwieweit sich dieser Umstand von den Abzügen ablesen lässt, wird sich noch zeigen. Wenn ich den Film jetzt noch in 2 bis 3 anderen, vielleicht besser geeigneteren Entwicklern probiere, ist der halbe Vorrat für Tests draufgegangen, für einen Film, den ich vermutlich für „normale“ Arbeiten nicht mehr einsetzen werde...

Aktuell umsetzbar sind für mich daher die Hinweise auf weniger Bewegung bei zu hohen Lichterdichten. Dies wird mir sicher auch in Zukunft beim Eintesten geeigneterer Kombinationen helfen.

Da ich Laie auf dem Gebiet der Fotochemie bin: Wie lässt sich ein Sulfitgehalt > 100 g/l realisieren? Dass man Entwickler für diesen Zweck nicht verdünnen sollte, beißt sich mit der mir wage in Erinnerung gekommenen Empfehlung, dass eine höhere Verdünnung ausgleichend wirkt (ich habe APH09 1+40 im Einsatz). Oder sind das zwei Paar Schuhe?

An färbende Entwickler habe ich mich bis jetzt noch nicht herangetraut, auch wenn sich leichte Verarbeitbarkeit mit versprochener hoher Schärfe bei feinem Korn erst einmal gar nicht so uninteressant anhört.

skahde
06-30-2010, 05:37 AM
Lieber Unbekannter,

dann spann uns doch mal nicht auf die Folter: Um welchen Film handelt es sich und wie sieht die Kurve jetzt aus? Dann kann man dir vielleicht konkreter weiterhelfen.

Beste Grüße

Stefan

ath
06-30-2010, 06:28 AM
Wie Stefan schon sagte - nenn den Film und frag nach geeigneten Entwicklern. Alles andere ist Theoretisieren und hilft Dir erstmal nicht konkret weiter.

Sammelwahn
06-30-2010, 03:47 PM
Hallo liebe Mitforenten,

im Prinzip sehe ich meine Ausgangsfrage schon beantwortet. Letztere hatte ich relativ allgemein gehalten, also nicht speziell auf mein derzeitiges "Problem“ bezogen. Die Antworten gingen dann aber tlw. in eine andere Richtung, weshalb ich noch ein paar Informationen nachgeschoben habe. Alles unter der Vorgabe einer gegebenen Film-Entwickler-Kombination. Ich werde wohl an der Bewegung bzw. den Standzeiten oder der Verdünnung etwas ändern. Wunder erwarte ich nicht, zumindest bringe ich durch diese Prozedur mehr Routine in mein Halbwissen, was bei zukünftigen Kombinationen möglicherweise hilfreich sein kann.

Damit der Unbekannte ein lieber bleibt, möchte dieser Euch von Euren Qualen erlösen:;)

Film Rollei Infrared 400 120 @ 160, ohne Filter!
Entwickler APH09
Verdünnung 1+40
Temperatur 20°C
Bewegung 30/30-2x
Dauer 9´
sehr hartes Wasser!

Zone / Dichte über Schleier
1 0,08
2 0,15
3 0,23
4 0,32
5 0,42
6 0,64
7 0,80
8 1,19
9 1,46
10 1,71
11 1,85
12 1,96

RalphLambrecht
06-30-2010, 04:05 PM
Das sieht nicht nach einer viel versprechenden Kurve aus. Du brauchst einen Entwickler der aktiver an Schatten und Mitteltönen arbeitet. Hast Du es schon mal mit ID11 or D76 probiert?

ath
06-30-2010, 04:47 PM
Bei der krummen Kurve würde ich erstmal meine Messtechnik überprüfen:
- Zonen so belichtet, wie gewünscht (Toleranz Beli, Blende, Verschluss)?
- Messtoleranz und systematische Fehler Dichtemessung

RalphLambrecht
06-30-2010, 06:52 PM
Bei der krummen Kurve würde ich erstmal meine Messtechnik überprüfen:
- Zonen so belichtet, wie gewünscht (Toleranz Beli, Blende, Verschluss)?
- Messtoleranz und systematische Fehler Dichtemessung

Guter Vorschlag aber es erklärt leider nicht den plötzlichen Anstieg in den Lichtern.

Sammelwahn
07-01-2010, 01:28 AM
Danke für Eure Unterstützung!

Euren Antworten entnehme ich, dass es sich bei der besprochenen Kombination nicht um eine Traumpaarung handelt, vorausgesetzt beim Eintesten ist alles sauber gelaufen. In der Tat stehe ich mit der Selbstverarbeitung am Anfang und möchte lernen, Theorie und Praxis zusammen zu bringen. Wie würdet Ihr die zu erwartenden Ergebnisse beschreiben? Dies würde ich dann gerne versuchen, an den noch zu fertigenden Abzügen von schon vorhandenen Negativen nach zu vollziehen.

ID11 oder D76 habe ich nicht getestet, könnte aber noch Xtol ansetzen, falls dieser Entwickler ähnlich arbeiten sollte.

Der Hinweis auf die Technik zeigt mir, wo ich noch mehr Disziplin an den Tag legen muß. Vor dem Eintesten sollte klar sein, dass die Gerätschaften mitspielen. Ab und an mache ich Quervergleiche, aber eben nicht direkt vor dem Test. Hier habt Ihr mich erwischt! Auch wenn ich relativ guter Dinge bin, hier keinen Bock geschossen zu haben, werde ich versuchen, Technik und Anwendung auf Fehler zu prüfen. Diesbezüglich halte ich Euch auf dem Laufenden.

Sammelwahn
07-01-2010, 03:46 AM
Um technische Unzulänglichkeiten und fehlerhafte Anwendung aufzudecken bzw. um Verbesserungsvorschläge zu erhalten, habe ich nachfolgend die Anfertigung und Auswertung der Testaufnahmen beschrieben:

Zum Einsatz kam eine Kamera mit elektronisch gesteuertem Schlitzverschluß mit Innenmessung im manuellen Modus. Die Messwerte hatte ich mit einem externen Belichtungsmesser überprüft. Das Objektiv konnte ich bis auf eine Ausnahme auf der gleichen Blende belassen, die Steuerung erfolgte also mittels angepassten Zeiten. Fraglich wären also die Zeiten der Kamera, die kurzen zu kurz und die langen zu lang. Dies werde ich mit unterschiedlichen Zeit-Blenden-Kombinationen bzw. Zentralverschlußobjektiven überprüfen.

Für die Aufnahmen habe ich einen einfarbigen großen Karton benutzt, die Kamera auf Stativ auf die Mitte ausgerichtet, Objektiv auf unendlich eingestellt, vorher Ecken und Mitte auf gleichmäßige Ausleuchtung überprüft. Die Lichtsituation war so, dass ich innerhalb der Belichtungsreihe die sich über wenige Minuten erstreckte, keine Abweichungen zu erwarten hatte. Dennoch wurde vor jeder Aufnahme die Belichtung gemessen.

Die Messung der Dichten erfolgte in der Projektion auf dem Grundbrett mittels Heiland Splitgrade. Ein Vergleich mit FEM Kunze LD ergab keine Abweichungen. Für die Dichtemessung habe ich in der Bildbühne ein Stück schwarzen Karton benutzt, der mittig ein kleines Loch hat. So trifft nur im Bereich der Messonde Licht auf das Grundbrett. Jede Testaufnahme wurde zweimal gemessen, die Ergebnisse, die sich nur innerhalb der gerätespezifischen Meßgenauigkeit unterschieden, wurden gemittelt. Die Dunkelkammer ist komplett schwarz gehalten, die Kleidung dem Zweck angepaßt.

Zu Beginn der Auswertung hatte ich Filmschnipsel zu je drei Aufnahmen entwickelt, Zone 1, Zone 5 und 8. Das scheint mir aber keine gute Idee gewesen zu sein, denn die Dichten auf einem kompletten Film waren merklich geringer. Deckungsgleich war aber immer der Umstand, dass Zone 5 in Abhängigkeit zu 1 und 8 zu tief lag. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, es würde ausreichen, Zone 1 und 8 zu begutachten, dazwischen könne dann nicht mehr viel passieren. Dem scheint aber nicht so zu sein.

piu58
07-01-2010, 06:31 AM
Das Problem besteht darin, dass bei Zone 1 und 8 der Film möglicherweise außerhalb der Linearität ist. Insbesondere dann, wenn die Lichter aufsteilen, kommt es zu dem von dir beschriebenen Effekt. Solche Lichter kommen durch "schwierige" Filme, ungeeignete Film/Entwickler-Kombination und möglicherweise durch Überentwicklung zustande.

Es wäre nicht schlecht gewesen, auch ein paar Alltagsmotive zu fotografieren und diese auch zu vergrößern. Man merkt dann rascher, wo die Schwierigkeiten liegen, und kann dies durch einen Scan des Abzugs hier auch besser illustrieren.

Sammelwahn
07-02-2010, 04:19 PM
Endlich habe ich es geschafft, die festgestellte Kurve an den Abzügen nachzuvollziehen: Erst kommt die Kombination nicht in die Gänge (Differenzierung der Schatten und Mitteltöne), dann wird voll beschleunigt (Lichter). Der grauen Soße in der unteren Hälfte der Kurve konnte ich nur ansatzweise mit härterer Gradation abhelfen, Himmelspartien forderten zu Nachbelichtungsorgien auf. Alles in Allem ein gutes Lehrbeispiel für mich.

Sammelwahn
07-07-2010, 02:20 AM
Testweise habe ich in verschiedenen Verdünnungen, 1+80 bis 1+160, Semistandentwicklung und Standentwicklung (1 Stunde) durchgeführt. Die ausgleichende Wirkung ist mehr oder weniger festzustellen. Was bei meiner Verarbeitung aber ganz offensichtlich geworden ist, Uwe hatte es ja schon angedeutet, ist der ungleichmäßige Dichteverlauf über die Breite des Filmes. Teilweise kann man diesen Umstand leicht mit bloßem Auge schon auf den Negativen erkennen, ist bei bis zu 0,3 Dichteunterschied (1 Blende) aber auch kein Kunststück. Irgendetwas scheinen die Anhänger der Standentwicklung anders zu machen als ich...