Hallo Henning,

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Hallo Jörg,

Diese Aussage hört man ja doch recht häufig, insbesondere auch schon wenn es um TMX und Acros im Verhältnis zu den klassischen Filmen mit kubischer Kristallstruktur geht. Da heisst es dann auch, die würden zu "glatt" aussehen.
Ich beschränkte mich bei dieser Aussage alleine auf die Abzüge von Hochauflösungsnegativen. Die Körnigkeit von TMX & Co. kann ich mit dem Entwickler ein wenig steuern. Moerschs neuer efd ist so scharf, dass das Korn zu sehen ist, auch beim Rollfilm. Wer Korn mag und dieses zu gestalterischen Zwecken einsetzt ist mit den klassischen Emulsionen und beispielsweise efd oder Rodinal sehr gut bedient.

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Bei digitalen Aufnahmen dagegen weist der Sensor und das von ihm erzeugte Bild durch die Bayer-Matrix eine vollkommen geordnete, strikt geometrische Struktur auf. Eine Struktur, wie wir sie bei Oberflächen in der Natur nicht vorfinden. Auch das ist ein entscheidender Grund, weshalb die meisten Betrachter bei Bildern im Vergleich Aufnahmen vom Film als etwas natürlicher beurteilen als die digitalen Pendants. Und auch bei feinkörnigen Filmen wird dieser Unterschied durchaus wahrgenommen (auch dazu gibt es einige Untersuchungen, z.B. Baier; Nasse; wir haben das bei unseren Arbeiten ebenfalls bestätigt gefunden).
Du wirst sicherlich Recht haben das Aufnahmen vom Film als natürlicher empfunden werden. In der fotografischen Welt in der ich mich abseits der Foren- und Liebhaberei bewege sind technische Diskussionen nur im sehr geringen Maß anzutreffen. Die meisten Gesprächsthemen bilden sich um generelle Bildinhalte und/oder Bildgestaltungen. Auf die verwendete Technik werde ich nur selten angesprochen.

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Mit den "Standardfilmen" wie TMX, Retro 80S, Delta 100 und Acros lassen sich in der Tat bereits hervorragende Negative herstellen. Deshalb verwende ich sie auch.
Diese Qualität lässt sich aber mit den Hochauflösungsfilmen noch toppen. Ich setze sie ein, wenn mir dieser Qualitätssprung, bzw. die zusätzlichen gestalterischen Möglichkeiten, die mir diese Filme bieten (s.u.), für das gewünschte Bild sinnvoll erscheint.
Vollkommen in Ordnung. Ich gehöre eher zu den konserativen Fotografen. Ich verwende meine persönlichen Standards und verwende diese nach Eintesten eine lange Zeit. Ich kenne somit mein Material und konzentriere mich auf die reine Fotografie. Möchte ich Tonwerte gestalterisch "verbiegen" benutze ich gezielt Filter. Das reicht für meine Anwedungen aus.
Das sich mit Hochauflösungsfilmen die Qualität bis zum Limit des verwendeten Objektivs steigern lässt, schrieb ich zu beginn meines ersten postings hier. Da ich im Bereich der Menschenfotografie beheimatet bin, benötige ich oft mind. 100 ASA und arbeite eher weniger mit einem Stativ. Die geringe Filmempfindlichkeit ist eine Tatsache, die ich auf meine Arbeitsweise hin nicht so einfach kompensieren kann und möchte.

In der Vergangenheit machte ich viele Ausflüge zu anderen Herstellern und kam immer wieder zurück zu meinen Arbeitspferden. Warum? Weil ich selbst lernen musste das es keine Wunderchemie, Superfilme oder dergleichen gibt. Mit dieser Erfahrung und das Wissen um die von mir eingesetzten Materialen ist es mir möglich, das technische Denken auf ein Minimum zu reduzieren.

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Kommt darauf an, welchen Vergleichsmaßstab man nimmt. Mit den Hochauflösungsfilmen in KB erreiche ich mit meiner derzeitigen KB Ausrüstung eine höhere Bildqualität als mit meiner derzeitigen MF-Ausrüstung. Ich kann also problemlos 3 120er Filme durch einen 36er Film ersetzen. In der Gesamtsumme aus Filmen + Chemie komme ich dabei mit der KB Hochauflösungslösung günstiger weg. Wirtschaftlich macht also für mich persönlich der Einsatz dieser Filme Sinn.
Auch dieser Punkt muss jeder individuell betrachten. Nehmen wir beispielsweise ein bekanntes Spur Paket, Spur DSX 64 ASA Kit: 32/64 Film 2x 135/36 + Modular UR Entwickler. Das kostet bei Impex 23,79€. Da sind genau zwei Filme enthalten. Rein rechnerisch ergibt das ein Paketpreis von 0,33€ pro Negativ (ohne Berechnung von Fix/Wasser/Arbeit).

Eine Tüte XTOL kostet ebenda 8,57€. Ein Tmax100 3,69€. Nehmen wir zwei TMäxe und wir haben einen Gesamtpreis von 15,95€. XTOL wird auf 5 Liter angesetzt. Bei einer 1+1 Entwicklung habe ich 10 Liter zur Entwicklung zur Verfügung. Entwickel ich zwei TMäxe in einer 500er Jobo Dose komme ich auf einen Entwicklungspreis von 0,42€ beider Filme (nur unter Verwendung des Entwicklers, ohne Fix/Wasser, rein, um den Vergleich zum Spur-Paket zu zeigen). Insgesamt kosten mich zwei Tmäxe in XTOL also 7,80€, das sind 0,10€ pro Negativ. Ich zahle für zwei Kleinbildfilme in Hochauflösung einen Aufpreis von über 15€ gegenüber zwei Standardfilmen die in genauer Menge vergleichsweise entwickelt werden. Dafür müsste ich Motive haben, die dem Einsatzzweck entsprechen, ich also später große Abzüge davon machen möchte.

Auch wenn ich 3 Rollfilme mit meinem Standardentwickler entwickel und diese gegenrechne zum gerade aufgezeigtem Spur-Paket, bin ich immer noch mit meinen bekannten Standardmaterialien kostengünstiger. Ich erziele ganz klar keine Hochauflösung, aber eine Qualität, die für meine Belange mehr als ausreichend ist.

In der Modelfotografie kann ich beispielsweise nicht nur eine Aufnahme einer Pose machen. Hier spielt der menschliche Faktor eine Rolle; sprich das Model kann mit den Augen zwinkern oder die Wimper heben oder oder oder. Hier kommen Faktoren zum Einsatz, die mir eine Anwendung von Hochauflösungsfilmen zu teuer machen.

Ich denke die Domäne dieser Filme liegt eindeutig in der Landschaftsfotografie, da könnte deine Berechnung auch greifen.
Solange wir aber diese Diksusion über die Film- und Entwicklerwahl führen können, geht es uns noch sehr gut

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Beim Orthopan / CMS 20? Hm, kann ich eigentlich nicht bestätigen. Der rollt sich bei mir zwar etwas stärker auf als ein Delta beispielsweise, ist aber von der Handhabung her kein Problem. Zeigt bei mir auch keine "Rinnenbildung", also keine Biegung in Querrichtung, sondern nur eine leichte Rollneigung in Längsrichtung. Lässt sich problemlos vergrößern.
Das ist ein generelles Problem dieses Trägers was leider beim Scannen zu Problemen führt. Wolfgang Mothes erwähnte dies beispielsweise in einem seiner neuen exelenten Beiträge im Schwarzweiss-Magain (Magazin, nicht Web).

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Nun, die Wirkung eines Bildes kann aber durch die geeignete Wahl der Technik erheblich verstärkt werden. Würden beispielsweise die Bilder von Wolfgang Moersch ihre Wirkung genauso entfalten, wenn er nicht ein begnadeter Meister der Filmentwicklungs- und Printtechnik wäre?
Ich sehe nicht die Technik an sich, sondern eher sein Fachwissen, seine Erfahrung und letztendlich sein Handwerk als die große Kunst an. Erfahrung und Wissen lassen sich durch Technik nicht kompensieren. Wer nicht fotografieren kann, wer kein Auge für ein Motiv hat, geschweige denn überhaupt die Grundzüge versteht, hat ohnehin ein Problem im Bereich der Fotografie.

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Hinzu kommt, dass Hochauflösungsfilme ja nicht nur Vorteile in Sachen Auflösung, Mikrokontrast, Schärfe und Feinkörnigkeit haben, sondern auch bei anderen Parametern punkten können. Der Copex Rapid beispielsweise liefert im Dynamicspeed 64 und Modular UR Entwickler einen sehr großen Dynamikumfang, der den des TMX übertrifft. Man erhält bessere Ergebnisse (bessere Lichterzeichnung) in Hochkontrastsituationen. Seine orthopanchromatische Sensibilisierung kann bewusst gestalterisch eingesetzt werden.
Technisch alles korrekt. Allerdings, sofern keine künstlerischen Abbildungen verlangt sind, sind hohe Kontraste mit allen anderen Filmen in einer angepassten N-x Entwicklung zu bändigen. In der Fine-Art Fotografie sind Hohe Kontraste, sofern es geht, ohnehin zu vermeiden.

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Richtig eingesetzt, bieten diese Filme also auch zusätzliche gestalterische Optionen. Auch ein Grund, weshalb ich persönlich sie verwende.
Meine persönliche Ansicht ist, dass Technik nie Selbstzweck sein, sondern immer im Dienste der Bildgestaltung und des Verwendungszwecks stehen sollte.

Beste Grüße,
Henning
Seien wir froh, dass die Auswahl an Filmen im s/w Sektor so groß ist wie lange nicht mehr. Jeder Einzelne muss sich Gedanken um seine verwendeten Materialien machen, was auch ökonomisch eine Rolle spielt.

Bei einem nächsten Apug Treffen bin ich gerne bereit unterschiedlichste Prints mitzubringen. Ohnehin zeigten viele User beim letzten mal verdammt schöne Bilder. Auch hier tauchten Fragen bezüglich der Technik nur selten auf.