Hallo Jörg,

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Hallo Henning,

Ich beschränkte mich bei dieser Aussage alleine auf die Abzüge von Hochauflösungsnegativen. Die Körnigkeit von TMX & Co. kann ich mit dem Entwickler ein wenig steuern. Moerschs neuer efd ist so scharf, dass das Korn zu sehen ist, auch beim Rollfilm. Wer Korn mag und dieses zu gestalterischen Zwecken einsetzt ist mit den klassischen Emulsionen und beispielsweise efd oder Rodinal sehr gut bedient.
Zur Kornwiedergabe von Hochauflösungsfilmen vielleicht noch ein paar hilfreiche Hinweise: Ich höre von einigen Fotografen immer, dass denen die Kornwiedergabe, die Kornstruktur/Kornform von TMX, Delta und Acros nicht so gefällt im Vergleich zu Filmen mit klassischer kubischer Kristallstruktur.
Die Hochauflösungsfilme verfügen nicht über die neueren Kristalltypen, sondern über kubische Kristalle.

Auch unterscheiden sich die Filme in ihrer Kornwiedergabe: Der Orthopan / CMS 20 mit einer wirklich extremen Feinkörnigkeit, dann kommt mit etwas Abstand der ATP, den man auch noch als extrem feinkörnig bezeichnen kann, und dann der Copex Rapid / DSX. Letzterer hat eine für einen Hochauflösungsfilm recht akzentuierte Körnigkeit. Noch einen Tick feinkörniger als ein TMX nach meiner Einschätzung, aber nicht viel. Aber im Vergleich zum TMX mit deutlich höherer Auflösung, Schärfe und Mikrokontrast.

Also bei der Feinkörnigkeit gilt es bei Hochauflösungsfilmen etwas zu differenzieren, weil sie sich doch unterscheiden und ihren jeweils eigenen Charakter haben. Das eröffnet wiederum gestalterische Optionen durch eine gezielte Filmwahl.

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Du wirst sicherlich Recht haben das Aufnahmen vom Film als natürlicher empfunden werden. In der fotografischen Welt in der ich mich abseits der Foren- und Liebhaberei bewege sind technische Diskussionen nur im sehr geringen Maß anzutreffen. Die meisten Gesprächsthemen bilden sich um generelle Bildinhalte und/oder Bildgestaltungen. Auf die verwendete Technik werde ich nur selten angesprochen.
Wenn jetzt im Vergleich Bilder als natürlicher empfunden bzw. beurteilt werden, ist das für mich viel mehr eine ästhetische als eine technische Diskussion.

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Auch dieser Punkt muss jeder individuell betrachten. Nehmen wir beispielsweise ein bekanntes Spur Paket, Spur DSX 64 ASA Kit: 32/64 Film 2x 135/36 + Modular UR Entwickler. Das kostet bei Impex 23,79€. Da sind genau zwei Filme enthalten. Rein rechnerisch ergibt das ein Paketpreis von 0,33€ pro Negativ (ohne Berechnung von Fix/Wasser/Arbeit).

Eine Tüte XTOL kostet ebenda 8,57€. .......
Na ja, wenn Du als Vergleich die 5 L XTOL Packung nimmst, solltest Du auch fairerweise die größeren Spur Packungen für mehr Filme als Vergleichsmaßstab nehmen. Dadurch sinken die Filmentwicklungskosten pro Film ganz erheblich gegenüber der Kleinpackung zum Kennenlernen.
Und da liege ich dann mit einem 36er KB günstiger als mit meinen 3 Rollfilmen.

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In der Modelfotografie kann ich beispielsweise nicht nur eine Aufnahme einer Pose machen. Hier spielt der menschliche Faktor eine Rolle; sprich das Model kann mit den Augen zwinkern oder die Wimper heben oder oder oder. Hier kommen Faktoren zum Einsatz, die mir eine Anwendung von Hochauflösungsfilmen zu teuer machen.

Ich denke die Domäne dieser Filme liegt eindeutig in der Landschaftsfotografie, da könnte deine Berechnung auch greifen.
Da habe ich andere Erfahrungen gemacht, weil ich die Filme, insbesondere den Copex Rapid und den ATP, auch in anderen Bereichen eingesetzt habe. Z.B. auch für Portrait-/Menschenfotografie im weitesten Sinne. Da bieten diese beiden Filme ein sehr großes Potential, auch im gestalterischen Bereich wegen ihrer unterschiedlichen Sensibilisierung. Gezielt eingesetzt habe ich damit wunderbare Ergebnisse erzielen können.

Die Filmempfindlichkeit ist bei beiden Filmen gerade im Studio überhaupt kein Problem. Beim Einsatz draußen habe ich bisher auch keine Probleme gehabt bei Verwendung meiner Festbrennweiten. Der CMS 20 / Orthopan ist natürlich ein Film, bei dem man für den Freihand Einsatz schon recht gute Lichtverhältnisse braucht. Den Film setze ich auch überwiegend vom Stativ aus ein.

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Solange wir aber diese Diksusion über die Film- und Entwicklerwahl führen können, geht es uns noch sehr gut
Das ist wohl war ;-).

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Das ist ein generelles Problem dieses Trägers was leider beim Scannen zu Problemen führt. Wolfgang Mothes erwähnte dies beispielsweise in einem seiner neuen exelenten Beiträge im Schwarzweiss-Magain (Magazin, nicht Web).
Ich verwende jetzt seit 25 Jahren Filme mit Polyesterträger verschiedener Hersteller. Aus dieser Erfahrung heraus komme ich zu dem Schluss, dass es weniger ein Problem des Trägermaterials ist, sondern der entscheidende Faktor die Qualität der NC-Schicht ist, und die Trocknungsbedingungen nach der Filmentwicklung. Ich habe Filme mit Triazetatträger, die unter gleichen Trocknungsbedingungen eine unterschiedliche Planlage aufweisen, und gleiches kann ich auch bei Filmen mit PET-Träger beobachten. Der Film, bei dem ich bisher die beste Planlage beobachten konnte (KB), ist ein Film mit PET-Träger (der 80S).

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Ich sehe nicht die Technik an sich, sondern eher sein Fachwissen, seine Erfahrung und letztendlich sein Handwerk als die große Kunst an.
Nun, letztendlich stimmen wir hier überein. Nur das Du andere Begriffe für den selben Tatbestand verwendest. Was ich unter dem Oberbegriff Technik gefasst habe, bezeichnest Du mit Wissen und Handwerk.
Technik(en), Wissen um die Anwendung dieser und Bildgestaltung sowie Kreativität lassen sich doch nicht komplett voneinander trennen.
Wenn ein Maler eine Bildidee hat, wird er sich genau überlegen, ob er diese Bildidee besser mit einem Ölbild, einem Aquarell, einer Tusche- oder Federzeichnung umsetzen kann. Weil er weiß, dass die gewählte Mal- oder Zeichentechnik maßgeblichen Einfluss auf sein Ergebnis haben wird.
Genauso wird sich der Fotograf überlegen, ob SW- oder Farbe, Umkehr- oder Negativmaterial, kleines oder großes Format, grobkörnigen oder feinkörnigen Film, Film mit besserer oder schlechterer Detailwiedergabe, Film mit panchromatischer, superpanchromatischer, orthopanchromatischer oder orthochromatischer Sensibilisierung verwendet, ob er den Abzug auf Warmton oder Neutraltonpapier abzieht, ihn tont oder nicht etc..
Oder ob er sich alternativen Techniken wie dem Gummidruck etc. zuwendet.
Weil all diese technischen Parameter sein Bildergebnnis erheblich beeinflussen.
Die Vorstellung, man könnte Technik und Handwerk, know-how der Bilderzeugung komplett separat betrachten und von der Bildgestaltung und dem gewünschten Ergebnis des Künstlers trennen, halte ich für naiv. Die Kunstgeschichte spricht da eindeutig eine andere Sprache.

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Erfahrung und Wissen lassen sich durch Technik nicht kompensieren. Wer nicht fotografieren kann, wer kein Auge für ein Motiv hat, geschweige denn überhaupt die Grundzüge versteht, hat ohnehin ein Problem im Bereich der Fotografie.
Vollkommen richtig. Und wer es versteht, unterschiedliche technische Möglichkeiten gezielt zur Erzielung und / oder Verstärkung seiner Bildaussage einzusetzen, wird sich und den Betrachtern seiner Bilder viel Freude bereiten können.

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Technisch alles korrekt. Allerdings, sofern keine künstlerischen Abbildungen verlangt sind, sind hohe Kontraste mit allen anderen Filmen in einer angepassten N-x Entwicklung zu bändigen.
Es erleichtert die Arbeit aber deutlich, wenn ich mit N Entwicklung arbeiten kann, und keine weiteren Klimmzüge machen muss. Egal ob ich N Entw. Copex mit N Entw. TMX vergleiche, oder N- Entw. Copex mit N- Entw. TMX, ich habe bessere Lichterzeichnung beim Copex.

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Seien wir froh, dass die Auswahl an Filmen im s/w Sektor so groß ist wie lange nicht mehr.
In der Tat. Wenn ich die jetzige Situation mit meinen SW-Anfängen Anfang der 80er Jahre vergleiche, ist das Filmangebot jetzt qualitativ und quantitativ besser.

Beste Grüße,
Henning