Quote Originally Posted by swittmann View Post
Ich habe das Cokin-P-Filtersystem; vielleicht sollte ich damit erstmal anfangen....

Wie ist das denn, belichtet man diese Filme auf Nennempfindlichkeit? Die Belichtungszeit muss ich ja auch anpassen, je nach Filterfaktor.
Die Cokin IRs sind auf jeden Fall okay und sehr preiswert, nimm aber unbedingt die Originale von einem seriösen Händler und nicht die "angeblichgenausogutenausChina", denn erstens sind es Plagiate, zweitens ist die Qualität fragwürdig - der feine Unterschied lautet ob sie "Cokin P" oder "für Cokin P" sind :rolleyes:

Die "Nennempfindlichkeit" dieser Filme gilt nur ohne Filter. Wenn Du zum ersten mal durch einen IR-Filter mit bloßem Auge gesehen hast wirst Du feststellen, daß die Augen ein paar Minuten brauchen, um sich daran zu gewöhnen, dann kann man überhaupt schemenhaft etwas erkennen. Die Dinger sind fast so dicht wie Objektivdeckel. TTL-Messung mit aufgesetztem Filter haut in der Regel auch nicht hin, und der Sucher einer Spiegelreflex bleibt zappenduster. Der Vorteil der Cokins ist, daß man den Filter schnell mal rausziehen kann, um im Sucher was zu sehen, der Nachteil ist, daß man vergessen kann, den Filter wieder reinzuschieben

Als Anhaltswert für die Belichtung mit IR-Filter geh' bei dem Film bitte von ISO 3-6 aus - ja, da steht wirklich "ISO drei bis sechs". Bei strahlendem Sonnenschein, also schönstem IR-Wetter, kann man mit viel Glück und einem lichtstarken Objektiv aus der Hand knipsen, etwa bei 2,8/60stel. Ich lande bei etwa 6 Iso, denn ich entwickle in XTol 1:2 verdünnt 18 Minuten lang, das ergäbe ohne Filter eine Nennempfindlichkeit von ISO 200, also um eine Blende gepusht. Bei den oben erwähnten Pseudo-IR-Filmen (ist etwas überspitzt formuliert), die eine Nennempfindlichkeit ohne Filter von ISO 400 haben, sieht es auch nicht besser aus, denn deren Empfindlichkeit für normales Licht ist höher, die IR-Empfindlichkeit ist dafür geringer, man kommt etwa auf ähnliche Zeiten sagen mir Leute, die solche Filme benutzen.

Ein Stativ ist praktisch Pflicht mit IR-Filmen. Früher, als es den sehr IR-empfindlichen (sowie sehr teuren und körnigen) Kodak HIE noch gab, brauchte man nur ein dichtes Rotfilter und konnte locker Momentaufnahmen machen.

Du solltest am Anfang immer eine kleine Belichtungsreihe und Notizen (!) machen, nach dem ersten Film bekommst Du schnell ein Gefühl dafür. Ich mache heute, nach etwa 20 Filmen, pro Motiv nur noch 1-2 Aufnahmen.

Und dann gibt es da noch den "doppelten Schwarzschild-Effekt"...:

1. Wenn Du bei stark bedecktem Himmel oder im tiefen Schatten fotografierst leg' auf den gemessenen Wert nochmal eine Blende drauf. Da, wo Du knipst, ist weniger IR-Licht als normal, es sei denn, Du stehst neben einem Kamin oder Hochofen.

2. Wenn die Belichtungszeiten eine Sekunde oder länger betragen wird's brutal, dann mußt Du so korrigieren:

- 1-4 Sekunden gemessen -> Zeit verdoppeln, also 2 bzw. 8 Sekunden

- 8 Sekunden gemessen -> Zeit verdreifachen, also 24 Sekunden

Länger habe ich selber damit noch nie belichtet. In einem alten Datenblatt steht:

- 15 Sekunden gemessen -> 60 Sekunden belichten

- 30 Sekunden gemessen -> 180 Sekunden belichten